Vor ein paar Tagen habe ich meine Chefs gefragt, ob wir nicht einen Mac anschaffen könnten. Daraufhin baten sie mich, doch mal ein paar Argumente für mein Anliegen aufzulisten.
Während ich mir also meine Argumente zusammen suchte, fiel mir auf, wie unterschiedlich meine Kollegen und ich unsere E-Mail-Anwendungen eingerichtet haben.
Auf meinem MacBook läuft Mail. Mein Arbeits-Account hat sechs Unterordner, wovon ich vier aktiv nutze und zwei automatisch durch das Verwenden mehrerer E-Mail-Clients zustande gekommen sind.
Wenn ich meinen Kollegen über die Schulter schaue, fällt es mir schwer, die Ordner überhaupt zu zählen. Zu jedem Projekt gibt es mindestens einen Ordner, manchmal dazu auch noch mehrere Unterordner. Wenn ich nach irgendwas frage, was in irgendeiner E-Mail in irgendeinem Projekt stehen sollte, kann ich erst einmal getrost eine Weile auf Antwort warten.
Wieso sollte sich ein Mensch das antun?
Da kehrten sie zurück, die Erinnerungen an den Tag, an dem ich mich entschloss, neben dem Linux-Desktop mein MacBook aufzubauen. Die Suche in Thunderbird, dem anscheinend einzigen wirklich brauchbaren freien E-Mail-Client, ist schlicht nicht zu gebrauchen.
Die Default-Suche in Thunderbird erlaubt es, nach Begriffen zu suchen. Dabei muss man sich erst entscheiden, ob man im Betreff, dem Mailinhalt etc. suchen will. Und ganz wichtig, man muss vorher den Ordner auswählen, in dem die Suche stattfinden soll. Man muss also vorher schon wissen, wo die E-Mail sein wird, die gefunden werden soll.
WTF?
Wenn ich in Mail einen Begriff in das Suchfeld eintippe, werden aus Prinzip erst einmal alle E-Mails in allen Postfächern durchsucht und ich kann die Suche bei Bedarf eingrenzen.
Vor ein paar Tagen wollte ich einen Blick auf die Betaversion von Postbox werfen, aber gleich der erste Test entwertete das Programm völlig. Es basiert auf Thunderbird. Die Suche wurde komplett übernommen und dann nur mit einem HUD aufgepeppt, in dem es noch mehr Suchfelder gibt, um eine E-Mail im aktuellen Ordner zu finden.
Gmail scheint den Bogen raus zu haben, Windows Mail angeblich ebenfalls. Aber dass ausgerechnet Thunderbird der Entwicklung so hinterher hinkt, ist schon traurig. Ebenso traurig wie das Schicksal jener armen Menschen, die so weiterhin gezwungen sind, ihre E-Mail in mindestens hundert Ordnern einzusortieren.