Die rote Sonne stand nicht mehr am Himmel. Die rote Sonne, jetzt ein nicht mehr als zwei Meter durchmessender Feuerball, hing wenige Handbreit über den Sonnenblumen. Und obwohl die Erscheinung gleißend hell strahlte, spürte Ismael keine Schmerzen, wusste er, dass er bedenkenlos in das Feuer blicken konnte.
“Es ist Ewigkeiten her, da war er allein. Es gab nichts außer ihm. Er konnte nicht viel mit dem Konzept des Alleinseins anfangen, aber er wusste, dass es kein angenehmes Gefühl war.”
“Also schuf er etwas. Er wünschte, dass dort, wo nichts war, etwas sei und so entstand euer Universum aus der Leere.”
“Er war erfüllt von nicht enden wollender Freude, als er sah, was er getan hatte. Doch natürlich wollte er mehr, jetzt da er wusste, was zu tun er imstande war.”
“Er füllte das Universum mit Energie. Mit Materie. Mit Leben. Für ihn mussten nur Augenblicke vergangen sein, als die Galaxien sich geformt hatten, sich in der Nacht drehten.”
“Doch als das Leben in den Galaxien zu entstehen begann, wurde ihm klar, dass er sich nicht um alles würde kümmern können. Ganze Zivilisationen entstanden und vergingen, ohne dass er es je wahrnahm. Also erschuf er uns, die Vahn.”
“Er schenkte uns Leben und verlieh uns das Wissen um die Natur der Dinge. Jeder von uns Vahn ist der Hüter über eine Galaxie. So wie ich sitzen meine Brüder und Schwestern im Herzen ihrer Galaxien und bewahren alle Lebewesen vor dem Untergang.”
Drinece schwieg für einen Moment. Ein Moment, den Parker nutzte. “Wenn ihr angeblich das Leben schützt, was ist dann damals, vor fünfhundert Jahren geschehen? Warum haben wir nie wieder etwas aus der Milchstraße oder Andromeda gehört? Oder willst du mir weismachen, dass die Menschen in den anderen Galaxien einfach nur keine Lust mehr hatten, mit uns zu reden?”
“Nein, das gewiss nicht. Ihr müsst wissen, er hatte eine Tatsache bei der Erschaffung des Lebens nicht bedacht. Vielleicht wusste er es auch einfach noch nicht. All die Kraft, die er in die Schaffung des Universums und des Lebens steckte, sie blieb dort, war für ihn verloren. Ihr, ebenso wie ich, enthaltet einen Teil seiner Lebenskraft.”
“Das bedeutet natürlich, dass er sich schwach fühlt. Er ist hungrig. Und das Universum ist sein Garten. Vor fünf Jahrhunderten eurer Zeit hielt er Ernte. Er hatte Wesen erschaffen, deren einziger Sinn und Zweck es war, ihm seine Kraft zurückzugeben. Sie überschwemmten zwei der drei Galaxien der Menschen, sowie zahlreiche andere, und nahmen alles Leben in sich auf, das sie finden konnten. Auch meine Geschwister in den betroffenen Galaxien fielen den Kreaturen zum Opfer. Nur durch den Mut einiger weniger Menschen blieben wir hier von dem grausigen Schicksal verschont.”
“Doch die Kreaturen waren nicht mehr als der erste Versuch. Er scheint zu experimentieren. Er will die beste, die effizienteste Methode finden, um zu ernten. Ich kann leider nicht in die Nachbargalaxien hinein sehen, aber ich weiß, dass der zweite Versuch bereits in vollem Gange ist.”
“Und deswegen seid ihr jetzt hier. Ich brauche euch. Ihr müsst meine Augen sein in Andromeda und der Milchstraße. Ihr müsst herausfinden, was dort geschieht und Triangulum vorbereiten auf das, was kommt.”
Als niemand etwas sagte, trat wieder Parker einen Schritt vor. “Warum nur wir? Ich könnte eine mächtige Flotte aufbauen. Wir könnten den Sprung in die Nachbargalaxien wagen und der Gefahr zuvorkommen, bevor irgendjemand dort gemerkt hätte, dass wir auf dem Weg sind. Dieser Kampf könnte vorbei sein, bevor der Gegner überhaupt die Fäuste geballt hat!”
“Ihr habt doch noch keine Ahnung, was euch bevorsteht! Wenn ihr noch Wochen, Monate oder Jahre wartetet, würdet ihr in offene Messer laufen. Nein, ihr müsst jetzt erfahren, welche Gefahr droht und euch wappnen. So sind eure Erfolgschancen weit höher.”
“Ismael, dein Schiff kann jederzeit zu mir zurückkehren. Sobald ihr wisst, was dort drüben geschieht, teilt es mir mit.”
Diesmal war es Ismael, der aufbegehrte. Angst erfüllte ihn, denn er ahnte, dass sich das Kommende nicht abwenden ließ. Er ahnte, dass sie in eine große Gefahr gedrängt wurden. “Aber wir vier alleine, was sollen wir denn bitte ausrichten? Was, wenn die Kreaturen immer noch da sind? Was, wenn die neue Bedrohung uns einfach hinfort fegt?”
Das Feld war leer. Kein Mensch stand mehr dort. Die Sonnenblumen waren verschwunden. Nichts mehr blieb außer brauner Erde. Und der rote Feuerball, der über allem schwebte.
“Ich weiß doch. Ich weiß”, seufzte Drinece.

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