Parker war mit Ismael an Bord der HANNA gekommen. Weder Thomas, Tanya, noch Wachen zu Parkers Schutz waren ihnen gefolgt.
In Tanyas Kabine deutete Ismael auf das den Raum dominierende Chaos. “Ich denke, das gehört alles Ihnen.”
Parker legte Ismael die Hand auf die Schulter. “Da wirst du wohl Recht haben. Ich lasse das Zeug später abholen. Das ist doch etwas mehr, als wir beide mal so eben hier heraustragen könnten. Übrigens, lass uns ruhig beim Du bleiben, ja? Es ist eine Sache, wenn mich die Leute siezen, die in meinen Diensten stehen. Aber du bist mehr ein Freund des Hauses. Und noch was, nenn mich Parker, okay? Niemand nennt mich Julian.”
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Parker war in seinem Element. Wenn er eines an seinem Leben liebte, dann war es dabei zuzusehen, wie auf seine Weisung hin, allein durch die Macht seines Wortes, die Dinge in Bewegung gerieten.
Der Laborraum hatte für Jahre leergestanden. Wieso auch nicht? Die Yacht war nicht eben für Forschungsmissionen konzipiert worden.
In Ruhe stand er in der Mitte des Raumes und wartete ab. Den Luxus konnte er sich gönnen.
Die Türen sprangen auf und eine kleine Armee von Arbeitern trug Gerätschaften herein. Rechner jeden Alters wurden auf den Tischen aufgestellt und Container gefüllt mit Lesegeräten für die unterschiedlichsten Datenträger aus vielen Jahrhunderten der Informationstechnologie wurden in den Ecken des Raumes platziert. Eine Projektion an einer der Wände stellte eine direkte Verbindung zur astrometrischen Abteilung des Schiffes her.
Und dann, als die Geräte ihren Platz gefunden hatten, kamen die Wissenschaftler. Binnen weniger Stunden hatte Parker die fähigsten Köpfe seines Unternehmens aus allen Ecken des Reiches, das er beherrschte, zusammengezogen.
Erwartungsvoll sahen die Forscher ihn an, warteten auf ein Zeichen endlich mit ihrer Arbeit beginnen zu dürfen.
Parker holte einmal tief Luft. Er genoss diese Momente. “Herrschaften, beweisen Sie mir, dass Sie meines Vertrauens würdig sind! Auf auf!”
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Mit Interesse beobachtete Ismael das Treiben der Mechaniker, die sich auf die HANNA gestürzt hatten. Amüsiert nahm er zur Kenntnis, dass sie nicht fassen konnten, wie ein Mann alleine dieses Schiff hatte zusammenbauen können. “Ihr hättet mal sehen sollen, was für aberwitzige Flaschenzüge ich gebaut habe, um den Antrieb auch nur einen Millimeter bewegen zu können!” dachte er und schmunzelte. Wenn man nur die richtige Motivation hat, kann vieles gelingen. Das Schmunzeln verschwand bei dem Gedanken. Er hoffte so sehr, dass es Hanna gut ging. Nicht auszudenken, wenn sie inzwischen doch dem Krieg zum Opfer gefallen war.
Weit weniger amüsiert vernahm Ismael, wie sich einige Mechaniker darüber unterhielten, was für ein Ding der Unmöglichkeit es doch war, dass die HANNA jemals den Boden verlassen hatte, geschweige denn bis ins Zentrum der Galaxis und wieder hinaus geflogen war.
Ismael schreckte auf, als wie aus dem Nichts der Vorarbeiter neben ihm auftauchte.
“Ich wollte Sie nicht erschrecken”, entschuldigte sich der groß gewachsene Mann im orangenen Overall. “Wir haben Ihr Schiff gründlich unter die Lupe genommen und sind jetzt ziemlich sicher, was an welcher Stelle gemacht werden muss. Die entsprechenden Bauteile sind größtenteils auf Lager, andere habe ich gerade nachbestellt. Wollen wir die Änderungen vorher noch einmal durchgehen?”
Ismael winkte ab. “Nein, nein. Ich vertraue Ihnen da. Sie werden schon wissen, was Sie tun. Außerdem, bis jetzt war das hier mein Schiff, meine Arbeit. Aber sie hat ihre Aufgabe erledigt.”
Der Gesichtsausdruck des Vorarbeiters zeigte deutlich, dass er sich nicht sicher war, was er mit Ismaels letzter Aussage anfangen sollte. “Also gut, dann fangen wir jetzt gleich an, ja? Haben Sie sonst noch irgendwelche Wünsche?”
“Ja, einen. Können Sie den Namen ändern?”
Der Vorarbeiter wirkte amüsiert. Er hatte eher mit Wünschen nach exotischen Extras gerechnet, nicht mit einem nach zehn Minuten Malerarbeit an der Hülle. “Klar, kein Problem. Gefällt Ihnen HANNA denn nicht mehr?”
“Nein.” Ismaels Hände verkrampften sich. “Nennen Sie sie NOVA.”
*
Thomas war allein. Man hatte ihm ein Quartier zugewiesen. Wachen standen davor, was ihn aber nicht weiter störte. Er war fremd hier und wurde nicht schlecht behandelt. Nicht so, wie Parker Tanya behandelt hatte.
Thomas war allein. Der letzte seines Clans. Wäre er nur schneller gewesen, wäre ihm dieses Schicksal nun erspart geblieben. Sie wären wieder vereint. Nun musste er warten. Viele Jahre, bis zu seinem Tod. Er beneidete Byron um die Art, wie er gestorben war. Ein Held, der all seine Schuld verbüßt hatte. An Thomas war es nun, den Namen der Apachen unsterblich zu machen, auf dass sie nie vergessen sein würden.
Thomas war allein. Er schloss die Augen und hoffte, in seinen Träumen den Gesang der Geister seines Volkes zu vernehmen.
*
Tanya fürchtete sich. Parker war ruhig gewesen, als er sie vor ihren Begleitern zur Verantwortung gezogen hatte. Zu ruhig. Sie wusste, zu welchen Ausbrüchen Parker fähig war. Sie wusste auch, dass er zu ihr kommen würde, dass sich sein Zorn noch nicht im Ansatz gezeigt hatte.
Tanya fürchtete sich. Sie war sich darüber im Klaren, dass Parker niemandem außer ihr nahezu unerschöpfliche Ressourcen bereitgestellt hätte, damit sie ihren vagen Vermutungen über den Verbleib der ARK NOVA nachgehen konnte. Die NOVA galt als verloren, uninteressant. Die großen Forschungsbemühungen dieser Tage richteten sich ganz auf das Ende der Quarantäne, auf die große Expedition in die beiden verlorenen Galaxien. Und doch hatte Parker ihr alle Mittel gegeben, ihre Forschungen zu betreiben.
Tanya fürchtete sich, denn sie wusste, was Parker für sie empfand.