Die HANNA hing antriebslos im Raum, eingebettet in einen gelben Himmel. Überall trieben brennende Wracks, flammten Triebwerke auf. Die Beiboote des PARKER-Schiffes, das vor wenigen Minuten in das System eingedrungen war und dessen Präsenz die Flotte der Allianz mit einem Schlag verjagt hatte, glitten durch das Schlachtfeld und bargen all jene angeschlagenen Schiffe, für die noch nicht alle Hoffnung verloren war.
Ein Ruck durchfuhr Ismaels Schiff, als die LR-017-19 es mit seinem Greifarm packte und vorsichtig drehte, bis die Frachtluke der HANNA in Richtung des Bergungsschiffes gewandt war.
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“Nein, nein!” schrie Ismael mit hochrotem Kopf einer entgeistert dreinblickenden Tanya entgegen. “Ich habe den ganzen Scheiß im Zentrum, die NOVA, die Explosion, dieses Gemetzel eben und die ewigen Schlägereien zwischen Thomas und Byron nicht mitgemacht, nur damit du jetzt das Einzige zerstörst, was wir in dieser ganzen Geschichte gewonnen haben!”
“Na hör mal!” entgegnete Tanya. “Ich habe schließlich für diesen Flug bezahlt! Du und ich, wir haben einen Vertrag, und nirgendwo steht etwas davon, dass du plötzlich auch ein Recht auf die Daten aus der NOVA hast!”
Ismael kochte vor Wut. Er hatte in den letzten Tagen mehrfach sein Leben riskiert und das sollte nun alles umsonst sein? Da hatte er aber auch noch ein Wort mitzureden.
“Ihr beiden”, erklang Thomas’ tiefe, ruhige Stimme, “ihr solltet jetzt erst einmal ruhig sein. Ganz ruhig! Ich gebe Ismael Recht. Nicht nur bin ich genau so wie er daran interessiert, was diese Daten besagen, sondern auch noch Milliarden anderer Menschen dort draußen. Meine Güte, Tanya, die ARK NOVA ist ein Teil unser aller Geschichte! Wir alle haben ein Recht darauf zu erfahren, was mit dem Schiff geschehen ist. Was auch immer du und PARKER für einen Zwist habt ist für mich zweitrangig! Und jetzt komm mit nach oben und setz dich ruhig hin!”
“Apropos Zwist”, meldete sich Ismael zu Wort. “Warum ist Byron eigentlich noch nicht wieder hier?”
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Tanya hatte sich sofort aus Thomas’ erschlaffendem Griff gelöst und war zur dem reglos an der Wand lehnenden Cherokee gelaufen. Ohne lange zu überlegen, packte sie Byron an den Armen und schleifte ihn durch den Gang. Ismael warf einen misstrauischen Blick in Richtung des in der Wand klaffenden, fingernagelgroßen Loches, dann packte er die Beine des Mannes und drängte Tanya voran.
Thomas rührte sich erst, als Tanya mit ihm zusammenzustoßen drohte. Er wich ihr aus und ließ sie mit dem leblosen Körper des Mannes passieren, den zu schützen er erst vor Stunden geschworen hatte. Er hatte gnadenlos versagt.
Es schien Stunden zu dauern, bis Ismaels Worte zu ihm durchdrangen und er das Schott hinter sich schloss. Noch mehr Opfer sollte es nun auch nicht geben.
Tanya hatte Byron die Atemmaske vom Gesicht gerissen, horchte nach seinem Atem, fühlte seinen Puls.
Thomas musste dringend beten. Seine momentane Situation bedeutete für ihn viele Stunden in der Gegenwart der Engel, Stunden in denen er hoffentlich sein Gewissen würde erleichtern können. Stunden in denen er sich über sein weiteres Leben klar werden musste.
Schlagartig kehrte der Apache in die Gegenwart zurück, als ein lautes Krachen von der Öffnung der Frachtluke kündete und schwere Schritte durch die HANNA hallten.
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“Was zur Hölle ist da los?” rief Ismael aufgebracht und stürmte auf die Treppe zu. Nur Thomas’ ausgestreckter Arm vermochte seinen Lauf zu stoppen. “Lass mich durch! Die haben mein Schiff geentert! Die Frachtluke ist bestimmt komplett im Eimer!” Ismaels Gesicht war rot vor Wut. Niemand durfte es wagen, einfach so in sein Schiff einzudringen.
“Und die PARKER-Soldaten, die gerade dein Schiff aufgebrochen haben, werden sich von dir auch gerade aufhalten lassen, ja?” Thomas vermochte kaum zu begreifen, wie töricht der junge Mann war. “Bleib ganz ruhig, dann wird diese Situation glimpflich über die Bühne gehen. Es sind heute schon genug Menschen gestorben.” Als die letzten Worte seine Lippen überquerten, war Thomas’ Stimme brüchig geworden. Er hatte versagt. Er hatte alles verloren und dann den Menschen, den zu schützen er geschworen hatte, sterben lassen.
Die Schritte näherten sich der Treppe. Thomas hörte drei, nein, vier Mann. Das leise Klappern, das jeden ihrer Schritte begleitete, ermöglichte es ihm, das Ausmaß ihrer Bewaffnung zumindest zu erahnen.
Der letzte Apache räusperte sich. “Es ist okay! Wir sind auf dem oberen Deck. Wir sind unbewaffnet und werden keinen Widerstand leisten.”
Das laute Scheppern der Treppe eilte den Soldaten voraus. Thomas drängte Ismael einige Schritte zurück. Wenn es unerwarteter Weise zu einem Gefecht kommen sollte, mussten sie ja nicht direkt in der Schusslinie stehen.
Tanya wirkte nervös. Thomas’ Blick zurück erwiderte sie mit zornigem Feuer in den Augen. Wenigstens würde er bald erfahren, was hier überhaupt los war.